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7. Arbeitslos, was nun?

Wer den Arbeitsplatz verliert, findet sich plötzlich in einer neuen und oft auch verunsichernden Situation wieder. In dieser Lebenslage tauchen viele Fragen auf, wie zum Beispiel: "Was muss ich alles erledigen, wenn ich arbeitslos geworden bin?" oder auch "Wie hoch wird mein Arbeitslosengeld sein?" Das folgende Kapitel soll Ihnen zeigen, an wen Sie sich bei Arbeitslosigkeit wenden können, was Sie alles tun sollten und welche Rechte und Ansprüche Sie haben.

Was muss ich tun, wenn ich arbeitslos geworden bin?

Es ist wichtig, dass Sie spätestens am ersten Tag Ihrer Arbeitslosigkeit zu einer der regionalen Geschäftsstellen des Arbeitsmarktservice kommen. Für Sie ist jene Geschäftsstelle zuständig, in deren Bezirk Sie Ihren Wohnsitz oder Ihren ständigen Aufenthalt haben.

Eine Liste der regionalen Geschäftsstellen des Arbeitsmarktservice finden Sie im Internet unter www.ams.at. Auch Ihre Landesgeschäftsstelle kann Ihnen die für Sie zuständige regionale Geschäftsstelle nennen.

Ihr Anspruch auf Arbeitslosengeld entsteht erst, wenn Sie sich persönlich beim AMS gemeldet haben! Bei Ihrem ersten Termin erhalten Sie ein Antragsformular. Dieses müssen Sie ausfüllen und unter Vorlage Ihrer Dokumente innerhalb einer bestimmten Frist einreichen.

Wenn Sie noch in Beschäftigung stehen, aber das Ende Ihres Dienstverhältnisses bereits kennen, können Sie schon zu diesem Zeitpunkt mit dem Arbeitsmarktservice Kontakt aufnehmen. Sie haben die Möglichkeit, diese Meldung zur Stellensuche telefonisch, per Post, per Fax oder online über das Service NextJob - Meldung zur Stellensuche zu übermitteln.

Habe ich überhaupt einen Anspruch auf Arbeitslosengeld?

Das Arbeitslosengeld soll Ihre Existenz während der Zeit der Arbeitsuche sichern. Sie müssen einige Voraussetzungen erfüllen, damit Sie diese Leistung beziehen können.

Sie müssen in der Zeit des Bezugs von Arbeitslosengeld der Arbeitsvermittlung zur Verfügung stehen. Außerdem ist es notwendig, dass Sie eine Mindestdauer an arbeitslosenversicherungspflichtigen Beschäftigungszeiten nachweisen können.

Arbeitslosenversicherungspflichtige Beschäftigung: Das bedeutet, dass Sie als Arbeiterin oder Arbeiter bzw. Angestellte oder Angestellter mit einem monatlichen Bruttoeinkommen über der Geringfügigkeitsgrenze von EUR 357,74,- (Stand: 2009) oder als Lehrling beschäftigt waren.

Wenn Sie das Arbeitslosengeld zum ersten Mal in Anspruch nehmen wollen, müssen Sie ingesamt 52 Wochen beschäftigt gewesen sein. Diese 52 Wochen müssen innerhalb der letzten zwei Jahre vor ihrem Antrag liegen.

Wenn Sie das Arbeitslosengeld schon einmal in Anspruch genommen haben, dann brauchen Sie vor Ihrem Antrag 28 Wochen Beschäftigung innerhalb des letzten Jahres.

Wenn Sie bei der Antragstellung noch nicht 25 Jahre alt sind und zum ersten Mal Arbeitslosengeld in Anspruch nehmen wollen, gilt eine spezielle Regelung: In diesem Fall genügen 26 Wochen arbeitslosenversicherungspflichtiger Beschäftigung innerhalb der letzten 12 Monate. Allerdings gilt dies nur, wenn das AMS nicht dafür sorgt, dass Sie innerhalb von vier Wochen nach Ihrer Antragstellung entweder eine neue Arbeit aufnehmen oder in eine für Sie geeignete Schulungsmaßnahme eintreten.

Ihre Beraterin bzw. Ihr Berater vom Arbeitsmarktservice kann Ihnen dabei helfen, Ihre Ansprüche genau abzuklären.

Wichtig: Die Art und Weise, wie Ihr Beschäftigungsverhältnis beendet wurde, hat auch einen Einfluss auf Ihr Recht auf Arbeitslosengeld. Wenn Sie zum Beispiel ohne wichtigen Grund Ihr Dienstverhältnis gelöst haben oder wenn Ihre Arbeitgeberin bzw. Ihr Arbeitgeber Sie berechtigter Weise fristlos entlassen hat, bekommen Sie in den ersten vier Wochen Ihrer Arbeitslosigkeit kein Arbeitslosengeld. Die insgesamte Bezugsdauer ist davon aber nicht betroffen.

Wenn Sie Arbeitslosengeld zuerkannt bekommen, erhalten Sie vom Arbeitsmarktservice eine Mitteilung. Sollte Ihr Antrag abgelehnt werden, wird Ihnen ein Bescheid zugeschickt, gegen den Sie innerhalb einer Frist von 14 Tagen Einspruch erheben können.

Wie hoch ist das Arbeitslosengeld und wie lange kann ich es beziehen?

Das Arbeitslosengeld besteht aus Grundbetrag, möglichen Familienzuschlägen und einem möglichen Ergänzungsbetrag.

Der Grundbetrag ist von der Höhe Ihres Arbeitseinkommens abhängig. Reichen Sie Ihren Antrag auf Arbeitslosengeld in der ersten Jahreshälte (also zwischen 1. Jänner und 30. Juni) ein, so gilt das Einkommen des vorletzten Jahres. Reichen Sie Ihren Antrag in der zweiten Jahreshälfte (also zwischen 1. Juli und 31. Dezember) ein, so gilt Ihr Einkommen des letzten Kalenderjahres. Der Grundbetrag des Arbeitslosengeldes beträgt 55% des täglichen Nettoeinkommens.

Wenn Sie Angehörige haben (z.B. Ehepartner/in, Kinder) und zu deren Unterhalt maßgeblich beitragen, können Sie pro unterhaltsberechtigter Person einen Familienzuschlag beziehen.

Aktuelle Informationen zu wichtigen und veränderlichen Werten (z.B. Höhe des Familienzuschlags, Geringfügigkeitsgrenze) finden Sie auf www.ams.at unter "Service für Arbeitsuchende / Finanzielles / Leistungen / Maßgebende Werte der Arbeitslosenversicherung".

Grundsätzlich bekommen Sie Familienzuschläge nur für Angehörige, die ihren Wohnsitz auch in Österreich haben, wenn nicht Abkommen zwischen zwei Staaten oder internationale Verträge etwas anderes bestimmen. Sollte Ihr Arbeitslosengeld (Grundbetrag und Familienzuschläge) unter dem Ausgleichszulagenrichtsatz (EUR 772,40- pro Monat, Stand: 2009) liegen, erhalten Sie den sogenannten Ergänzungsbetrag. Es gibt hier allerdings eine Obergrenze.

Auf dieser Webseite können Sie die Höhe Ihres Arbeitslosengeldes auch online berechnen: http://ams.brz.gv.at/ams/alrech/.

Wie lange Sie Arbeitslosengeld beziehen können richtet sich danach, wie lange Sie vor Ihrer Arbeitslosigkeit beschäftigt waren und wie alt Sie bei der Antragstellung sind:

Das Arbeitslosengeld wird grundsätzlich für 20 Wochen zuerkannt. 10 Wochen länger (also ingesamt 30 Wochen) können Sie Arbeitslosengeld beziehen, wenn sie in den letzten 5 Jahren 156 Wochen (= ca. 3 Jahre) beschäftigt waren.

Haben Sie bei Ihrer Antragstellung das 40. Lebensjahr vollendet und waren Sie innerhalb der letzten 10 Jahre 312 Wochen (= ca. 6 Jahre) beschäftigt, können Sie 39 Wochen lang Arbeitslosengeld erhalten. Haben Sie bei Ihrer Antragstellung das 50. Lebensjahr vollendet und waren Sie innerhalb der letzten 15 Jahre 468 Wochen (= ca. 9 Jahre) beschäftigt, können Sie 52 Wochen lang Arbeitslosengeld beziehen.

Wann habe ich Anspruch auf Notstandshilfe?

Nach Ende Ihres Bezuges von Arbeitslosengeld oder auch Karenzgeld können Sie Notstandshilfe beantragen. Auch diesen Antrag müssen Sie persönlich - und zwar spätestens am ersten Tag nach Ablauf Ihres Bezugs von Arbeitslosengeld - beim Arbeitsmarktservice stellen.

Um Notstandshilfe beziehen zu können, muss zusätzlich zu den Grundvoraussetzungen (z.B. Arbeitslosigkeit, Arbeitsfähigkeit, Arbeitswilligkeit) eine "Notlage" vorliegen. Bei der Beurteilung dieser Notlage werden Ihre gesamten wirtschaftlichen Verhältnisse und das Einkommen der oder des im gemeinsamen Haushalt lebenden Ehepartnerin oder Ehepartners bzw. Lebensgefährtin oder Lebensgefährten zum Teil herangezogen. Das kann auch dazu führen, dass Sie eine geringere oder überhaupt keine Notstandshilfe beziehen können.

Jener Teil des Einkommens Ihrer Partnerin oder Ihres Partners, der nicht eingerechnet wird, heißt "Freigrenze". Sie können einen Antrag stellen, dass diese Freigrenze erhöht wird. Bei Vorliegen bestimmter Voraussetzungen (z.B. Behinderung, Rückzahlungsverpflichtung für Wohnraumsanierung) kann die Freigrenze um maximal 50% erhöht werden. Die Erhöhung der Freigrenze kann zu einer höheren Notstandshilfe oder vielleicht überhaupt erst zu einem Anspruch auf Notstandshilfe führen. Die Tatbestände, die zu einer Erhöhung der Freigrenze führen können, müssen dem AMS nachgewiesen werden.

Den Antrag auf Erhöhung der Freigrenze stellen Sie bei Ihrer AMS-Geschäftsstelle.

Prinzipiell beträgt die Notstandshilfe 95% des vorher bezogenen Grundbetrages des Arbeitslosengeldes, wenn dieser den Ausgleichszulagenrichtsatz von monatlich EUR 772,40 (Stand: 2009) nicht übersteigt. Ansonsten bekommen Sie 92% des Grundbetrages des Arbeitslosengeldes. Bezieherinnen und Bezieher von Notstandshilfe müssen auch - wie beim Arbeitslosengeld - der Arbeitsvermittlung zur Verfügung stehen.

Die Notstandshilfe wird jeweils für maximal 52 Wochen bewilligt. Danach ist ein neuer Antrag zu stellen.

Und was muss ich sonst noch wissen?

Krankenversicherung

Wenn Sie Arbeitslosengeld oder Notstandshilfe beziehen, sind Sie und Ihre Familienangehörigen krankenversichert. Das heißt, es stehen Ihnen die gleichen Leistungen zu wie Personen, die in einem Dienstverhältnis krankenversichert sind.

Werden Sie während Ihres Arbeitslosengeldbezuges krank, lassen Sie sich von Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt krankschreiben und melden Sie die Krankschreibung sofort beim Arbeitsmarktservice. Für die ersten drei Tage erhalten Sie weiterhin die Geldleistung vom AMS. Wenn Sie länger im Krankenstand sind, bekommen Sie von Ihrer Gebietskrankenkasse Krankengeld ausbezahlt. Dazu müssen Sie sich jedoch mit Ihrer Gebietskrankenkasse in Verbindung setzen! Vergessen Sie nicht, sich nach Ende Ihres Krankenstandes gleich wieder beim AMS zu melden.

Gebührenbefreiung

Wenn Sie eine Leistung aus der Arbeitslosenversicherung beziehen, können Sie um einen Zuschuss zum Fernsprechentgelt (Telefongebühren) und um eine Befreiung von der Fernseh-/Rundfunkgebühr ansuchen.

Die notwendigen Antragsformulare und weitere Informationen erhalten Sie zum Beispiel im Internet unter www.orf-gis.at, in den Filialen der Post oder auf Ihrem Gemeindeamt.

Unter bestimmten Voraussetzungen können Sie auch eine Wohnbeihilfe erhalten. Das ist aber von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich geregelt.

Nähere Informationen erhalten Sie bei Ihrem Amt der Landesregierung.

Pensionsvorschuss

Beziehen Sie Arbeitslosengeld oder Notstandshilfe und beantragen Sie in dieser Zeit eine Invaliditäts- bzw. Berufsunfähigkeitspension oder eine Alterspension, müssen Sie das AMS darüber informieren. Anstelle z.B. des Arbeitslosengeldes beziehen Sie dann den sogenannten Pensionsvorschuss.

Genauere Informationen entnehmen Sie bitte der AMS-Broschüre "Versicherungsleistungen im Überblick".

Unter welchen Voraussetzungen bekomme ich Sozialhilfe?

Sozialhilfe erhalten Sie dann, wenn Sie Ihre Existenz nicht durch Arbeit, Einkommen oder Vermögen sichern können. Wenn Sie also z.B. ohne Arbeit sind, keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld (mehr) haben, kein Vermögen besitzen und auch Ihre Familie nicht für Ihren Lebensunterhalt aufkommen kann, können Sie Sozialhilfe beziehen. Diese Unterstützungsleistung ist Sache der Landesgesetzgebung und daher in jedem Bundesland eigens geregelt.

Den Antrag auf Sozialhilfe stellen Sie bei Ihrer Bezirkshauptmannschaft oder dem jeweiligen Magistrat.

Erkundigen Sie sich bei den zuständigen Stellen auch, welche Folgen es für Ihren Anspruch auf Sozialhilfe haben kann, wenn Sie (z.B. mit Unterstützung der Arbeitsassistenz) eine Arbeit aufnehmen, dieser Arbeitsversuch aber nach einiger Zeit scheitert.

Wie finde ich einen neuen Arbeitsplatz?

Während Ihrer Arbeitslosigkeit unterstützt Sie das AMS bei der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz. Sie bekommen Stellenangebote vorgelegt oder zugeschickt oder Sie können auch in Ihrer Geschäftsstelle die dort aufgestellten Computer benutzen, um nach freien Stellen zu suchen. Das AMS sieht es auch als seine Aufgabe an, bei Bedarf Ihre Qualifikationen durch Kurse und Schulungen zu erhalten oder sogar auszubauen. Auch Beihilfen und Förderungen können Ihnen bei Ihrem Wiedereinstieg helfen. Außerdem gibt es eine Reihe von Dienstleistungen, die Ihnen bei der Arbeitsuche zur Verfügung stehen.

Klären Sie mit Ihrer AMS-Beraterin bzw. Ihrem AMS-Berater die unterschiedlichen Möglichkeiten ab!

Während des Bezugs von Arbeitslosengeld müssen Sie dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen und auch "arbeitsfähig" und "arbeitswillig" sein. Das heißt, Sie müssen bereit sein, eine durch das AMS vermittelte zumutbare Beschäftigung anzunehmen, sich umschulen zu lassen oder an einer Maßnahme zu Ihrer Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt teilzunehmen. "Zumutbar" bedeutet insbesondere, dass die Beschäftigung Ihren körperlichen Fähigkeiten entspricht, Ihre Gesundheit und Ihr sittliches Empfinden nicht gefährdet und Ihre gesetzlichen Betreuungspflichten (z.B. für Ihre Kinder) nicht beeinträchtigt.

Genauere Informationen entnehmen Sie bitte der Broschüre "Versicherungsleistungen im Überblick" oder wenden Sie sich an Ihre Beraterin oder Ihren Berater beim AMS.