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2. Welche Möglichkeiten der Berufsausbildung gibt es?

Eine gute Ausbildung ist die Grundlage für ein erfolgreiches Berufsleben. Je besser die Ausbildung, desto geringer ist das Risiko, dass man arbeitslos wird. Die höchste Arbeitslosigkeit gibt es in der Gruppe jener Menschen, die keine abgeschlossene Berufs- und/oder Schulausbildung haben.

Im folgenden Kapitel erfahren Sie, welche Möglichkeiten der (Berufs-) Ausbildung Sie haben und wie Sie zu der gewünschten Ausbildung kommen.

Was muss ich grundsätzlich über die Lehre wissen?

Eine Lehre wird zum größten Teil in einem Betrieb oder einer Lehrwerkstätte absolviert. Hier erfolgt die praktische Ausbildung. Zum Erlernen theoretischer Grundlagen bzw. anderer wichtiger Kenntnisse besucht der Lehrling die Berufsschule. In der Regel dauert eine Lehre drei Jahre. Je nach Beruf kann es aber auch längere Lehrzeiten geben. Am Ende der Lehre steht die Lehrabschlussprüfung.

Eine Liste aller Lehrberufe finden Sie unter www.berufsinfo.at/lehre oder unter www.berufsdatenbank.at.

Was ist eine Integrative Berufsausbildung?

Für Jugendliche mit Lernschwierigkeiten und/oder Behinderung, die eine herkömmliche Lehre nicht absolvieren können, gibt es die Möglichkeit der Integrativen Berufsausbildung. Innerhalb der Integrativen Berufsausbildung hat ein Lehrling die Möglichkeit, eine sogenannte "verlängerte Lehre" oder eine "Teilqualifizierungslehre" zu machen.

Bei der verlängerten Lehre wird die Lehrzeit meist um ein Jahr verlängert, in Ausnahmefällen um ein weiteres Jahr. Die verlängerte Lehre ist für Jugendliche gedacht, die eine volle Lehre schaffen können, aber zum Lernen länger Zeit brauchen. Am Ende der Lehrzeit kann die oder der Jugendliche, wie alle anderen Lehrlinge auch, die Lehrabschlussprüfung ablegen.

In einer Teilqualifizierungslehre werden nur Teile eines Berufes erlernt. Die Ausbildungsziele werden vorher genau festgelegt. Die Lehrzeit wird für den einzelnen jungen Menschen bestimmt und beträgt ein bis drei Jahre. Am Ende der Lehre kann der Lehrling über die erlernten Teile des Berufes eine Abschlussprüfung ablegen. Wer die Abschlussprüfung bestanden hat, bekommt ein Zertifikat, das von der Wirtschaftskammer Österreich anerkannt wird.

Wie komme ich zu einer Integrativen Berufsausbildung?

Wenn Sie eine Integrative Berufsaubildung machen wollen, wenden Sie sich zuerst am besten an Ihre AMS-Geschäftsstelle. Grundsätzlich können alle, die vom AMS nicht auf übliche Weise vermittelt werden können und eine Lehrstelle suchen, eine Integrative Berufsausbildung machen, wenn sie

Jugendliche, die eine Integrative Berufsausbildung machen wollen, müssen darüber hinaus noch ein Clearing-Verfahren durchlaufen, bevor sie mit der Lehre beginnen können.

Mehr Informationen zum Thema Clearing finden Sie im Kapitel 1 dieser Broschüre.

Grundsätzlich hilft das AMS bei der Stellensuche. Es ist jedoch wichtig, dass man sich auch selbst bemüht, eine Lehrstelle zu suchen. Für Jugendliche ist es oft ein Vorteil, wenn Eltern oder andere Familienangehörige bei der Suche nach einem Lehrplatz helfen. Manchmal helfen die Beraterinnen und Berater der Clearing-Stelle oder der Arbeitsassistenz bzw. der Berufsausbildungsassistenz. Erkundigen Sie sich immer genau, welche Unterstützung Ihnen geboten werden kann.

Wie läuft eine Integrative Berufsausbildung ab?

Ist eine Lehrstelle gefunden, bekommt der Lehrling eine Berufsausbildungsassistentin oder einen Berufsausbildungsassistenten zur Seite gestellt. Diese oder dieser begleitet den Lehrling und den Betrieb während der gesamten Lehrzeit und vermittelt zwischen der oder dem Jugendlichen, dem Betrieb und der Berufsschule. Alle an der Lehrausbildung Beteiligten können sich an die Berufsausbildungsassistenz wenden. Bei regelmäßigen Treffen mit der oder dem Jugendlichen und der Ausbildnerin oder dem Ausbildner werden Fragen, Probleme, Wünsche und Ziele besprochen.

Bei der verlängerten Lehre besteht auf jeden Fall die Pflicht zum Besuch der Berufsschule. Bei einer Teilqualifizierungslehre gilt die Schulpflicht im Rahmen der festgelegten Ausbildungsziele. In Ausnahmefällen kann ein Teilqualifizierungslehrling auch vom Besuch der Berufsschule befreit werden.

Wenn Lehrlinge zum Erlernen verschiedener Tätigkeiten sehr lange brauchen, kann ein Jobcoach zur Verfügung gestellt werden, um den Betrieb zu entlasten. Der Jobcoach begleitet den Lehrling direkt an den Arbeitsplatz und übt mit ihr oder ihm die Arbeitsschritte so lang, bis sie richtig sitzen. Der Jobcoach wird in der Regel vom Bundessozialamt finanziert. Das Angebot gibt es jedoch nicht in allen Bundesländern.

Erkundigen Sie sich dazu bei Ihrem Bundessozialamt!

Kann ich trotz meiner Behinderung eine weiterführende Schule besuchen?

Das Recht auf Integration in Regelschulen für Kinder mit Behinderungen besteht grundsätzlich nur bis zur achten Schulstufe und im Schulversuch im Polytechnischen Lehrgang. Körper- und sinnesbehinderte Schülerinnen und Schüler, die die allgemeinen Lehrziele ohne zusätzliche Förderung im Unterricht erreichen, können grundsätzlich auch jede weiterführende Schule besuchen.

In vielen Fällen sind Lehrkräfte und Direktion zur Zusammenarbeit bereit und auch willig, allfällige Probleme zu lösen. Wichtig ist es, sich früh genug (z.B. ein Jahr) vor dem eigentlichen Schulbesuch mit der Schule in Verbindung zu setzen und die Bedürfnisse und Möglichkeiten zu besprechen.

Es kann allerdings sein, dass ein Schulbesuch an baulichen Barrieren oder anderen Hindernissen im Unterricht scheitert. Die Schule muss (noch) nicht notwendige Umbauten (z.B. Einbau eines Lifts) vornehmen. Sie kann auch nicht dazu gezwungen werden, auf die Bedürfnisse blinder oder gehörloser Schülerinnen und Schüler Rücksicht zu nehmen. Es gilt zwar das Bundes-Behindertengleichstellungsgesetz, aber bestehende Gebäude müssen erst ab 2016 barrierefrei zugänglich sein. "Organisatorische Diskriminierungen" (wie z.B. fehlende Unterlagen in Braille) darf es, sofern zumutbar, keine mehr geben. Will man gegen die "organisatorische Diskriminierung" vorgehen, kann man ein Schlichtungsverfahren beim Bundessozialamt anstreben. Nützt das nichts, wäre theoretisch eine Klage auf Schadenersatz für jede einzelne Diskriminierung möglich. Eine Unterlassung, d.h. Beseitigung der Diskriminierung kann nicht eingefordert werden.

Mehr Informationen zum Bundes-Behindertengleichstellungsgesetz finden Sie im Kapitel 6. Auch Ihr Bundessozialamt oder der Bundesbehindertenanwalt stehen für Fragen zur Verfügung. Die Kontaktmöglichkeiten finden Sie im Serviceteil.

Manche Schulen, wie zum Beispiel das Schulzentrum Ungargasse in Wien, integrieren schon länger behinderte Schülerinnen und Schüler. Fragen Sie im Bildungsministerium, bei Landesschulräten oder Behindertenorganisationen nach Schulen in Ihrem Bundesland, die bereits Erfahrung mit behinderten Kindern und Jugendlichen haben.

Bei der Bewältigung des Alltags in der Schule kann Persönliche Assistenz am Arbeitsplatz helfen. Persönliche Assistentinnen und Assistenten sind aber keine Stütz- oder Nachhilfelehrerinnen oder Nachhilfelehrer. Mehr Informationen zur Persönlichen Assistenz am Arbeitsplatz finden Sie im Kapitel 5.

Neben der Integration in Regelschulen besteht auch die Möglichkeit des Besuchs einer Sonderschule. Für körper-, seh- und hörbehinderte Jugendliche gibt es in Österreich mehrere spezielle Schulen. Über das Ausbildungsangebot erkundigt man sich am besten direkt bei den Schulen.

Wie sieht es nach der Matura mit einem Studium an einer Universität aus?

Die Universitäten bieten Studierenden mit Behinderung teilweise eine Reihe von Unterstützungsleistungen. So gibt es an vielen Universitäten Behindertenbeauftragte, an die sich Studierende mit Fragen, die das Studium betreffen, wenden können.

Grundsätzlich empfiehlt es sich, bereits frühzeitig (z.B. ein Jahr) vor Beginn des Studiums mit der Universität, an der man studieren möchte, Kontakt aufzunehmen, damit notwendige Unterstützungen abgeklärt werden können. Auch die Österreichische HochschülerInnenschaft bietet Beratung für behinderte Studierende an.

Umfangreiche Informationen zum Thema Studieren mit Behinderung bietet die Website des Verbandes der Interessengemeinschaft behinderter und chronisch kranker Studierender (uniability) unter http://info.tuwien.ac.at/uniability.

Die Barrierefreiheit der Universitätsgebäude in Österreich ist sehr unterschiedlich. Alte Universitäten, wie zum Beispiel das Hauptgebäude der Universität Wien, sind besonders für gehbehinderte Personen nur erschwert benutzbar.

Zur Hilfe im Studienalltag können auch Studierende Assistenz am Arbeitsplatz erhalten.

Erkundigen Sie sich dazu bei Ihrem Bundessozialamt!

Behinderte Studierende haben das Recht auf eine individuelle Prüfung, wenn die Prüfung auf Grund der Behinderung nicht in der vorgesehenen Art und Weise abgelegt werden kann.

Das interuniversitäre Institut "integriert studieren" bietet vor allem blinden und sehbehinderten Studierenden Unterstützung. Es ist an der Universität Linz angesiedelt.

Das Forschungszentrum für Gebärdensprache und Hörgeschädigtenkommunikation an der Universität Klagenfurt bietet Lehrveranstaltungen zu Österreichischer Gebärdensprache und Gehörlosenkultur an. Am Institut für Translationswissenschaft der Uni Graz kann man Gebärdensprachdolmetsch in Kombination mit einer zweiten Fremdsprache studieren.

Beratung und Erfahrungsaustausch für gehörlose Studierende, sowie Informationen für Lehrende bietet der Verein österreichischer gehörloser Studierender an.

An der Universität Wien befindet sich gerade das Projekt "study now" im Aufbau. Ziel dieses Projekts ist unter anderem die Einrichtung einer zentralen Anlauf- und Beratungsstelle für gehörlose Studierende. Des weiteren sollen Studierende, die hören können und die Gebärdensprache beherrschen, für ihre gehörlosen Kolleginnen und Kollegen "Kommunikationsassistenz" leisten.

Wie sieht die Situation an den Fachhochschulen aus?

An den Fachhochschulen gibt es keine eigenen Beratungsstellen für Studierende mit Behinderungen. Hat man auf Grund einer Behinderung spezielle Bedürfnisse, wendet man sich an die Studiengangsleitung.

Um an einer Fachhochschule studieren zu können, muss eine Aufnahmeprüfung bestanden werden. Sollten Sie spezielle Rahmenbedingungen benötigen, um die Prüfung machen zu können, kontaktieren Sie bitte frühzeitig die Leitung des Fachhochschullehrgangs.

Viele Fachhochschulgebäude sind Neubauten und daher zumindest zum Großteil für Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer barrierefrei benutzbar. Für die Behindertengleichstellung gilt dasselbe wie für die weiterführenden Schulen und die Universitäten.

Absolventinnen und Absolventen von Universitäten und Fachhochschulen können sich für einen erfolgreichen Einstieg ins Berufsleben an die Arbeitsvermittlung für AkademikerInnen mit Behinderung und/oder chronischer Erkrankung in Wien wenden.

Wo kann ich für mein Studium finanzielle Unterstützung bekommen?

Behinderte Studierende haben Anspruch auf erhöhte Studienbeihilfe bzw. können diese länger als andere Studierende beziehen, wenn der Grad der Behinderung mindestens 50 Prozent beträgt. Den Antrag auf Studienbeihilfe stellen Sie bei der Studienbeihilfenstelle in jenem Bundesland, in dem Sie studieren.

Nähere Informationen dazu finden Sie im Internet unter www.stipendium.at.

Die Zeit, für die man Studienbeihilfe beziehen kann, verlängert sich in jedem Studienabschnitt um 50 Prozent. Dies gilt aber nur für Studierende, die

Studierende mit anderen Behinderungen oder chronischen Erkrankungen haben Anspruch auf eine Verlängerung um ein Semester pro Studienabschnitt.

Welche Weiterbildungs- und Schulungsmöglichkeiten gibt es?

Körper- und sinnesbehinderte Menschen können grundsätzlich an allen allgemeinen Weiterbildungseinrichtungen Schulungen und Kurse besuchen. Die größten Einrichtungen sind das Wirtschaftsförderungsinstitut und das Berufsförderungsinstitut, sowie die Volkshochschulen. Kurse und Ausbildungen werden aber auch von anderen Institutionen angeboten. Sollten Sie spezielle Rahmenbedingungen brauchen, kontaktieren Sie vorher die jeweilige Einrichtung.

Fragen Sie bei Ihrer AMS-Geschäftsstelle nach, ob Förderungen möglich sind!

Speziell für behinderte Erwachsene gibt es in Österreich auch einige Ausund Weiterbildungseinrichtungen. Die größte Einrichtung ist das Berufliche Bildungs- und Rehabilitationszentrum mit Sitz in Linz und Standorten in Wien, Graz, Kapfenberg und Klagenfurt. Das Angebot richtet sich an körper- und sinnesbehinderte Menschen, aber auch an Menschen mit psychischen Erkrankungen und Menschen, die eine berufliche Rehabilitation anstreben.

Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten speziell für blinde Menschen bietet außerdem noch das Berufsbildungs- und Forschungszentrum für Blinde und Sehbehinderte in Wien. Berufe im Bereich Informationstechnologie können blinde und sehbehinderte Menschen auch beim Verein ISIS (Graz) erlernen.

Gehörlose Menschen können sich in der Equalizent Schulungs- und Beratungs GmBH weiterbilden (Standorte in Wien und Innsbruck).

Kurse in Österreichischer Gebärdensprache werden am Polycollege Stöbergasse, einem Standort der Volkshochschulen Wien, abgehalten. Darüber hinaus bieten auch einige Landesgehörlosenverbände Kurse zu verschiedenen Themen an.

Erkundigen Sie sich bei entsprechenden Vereinen und Verbänden. Die Adressen dazu finden Sie zum Beispiel in Österreich sozial oder auf der Serviceseite Handynet.

Für Menschen mit Lernschwierigkeiten bieten der Integrative Bildungsverein biv-integrativ und der Verein Atempo (Wien / Graz) Kurse zu verschiedenen Themen an.

Eine österreichweite Liste jener Veranstalter, die Kurse anbieten, die auch Menschen mit Lernschwierigkeiten und/oder Behinderung besuchen können bzw. spezielle Angebote für Menschen mit Lernschwierigkeiten im Programm haben, finden Sie im Internet unter http://www.biv-integrativ.at/biv.php?s=b33. (Datenbank zur integrativen Erwachsenenbildung, zusammengestellt von biv-integrativ).

Auch manche allgemeinen Bildungseinrichtungen wie zum Beispiel die Volkshochschulen, das Wirtschaftsförderungsinstitut oder das Berufsförderungsinstitut haben Angebote für Menschen mit Lernschwierigkeiten im Programm.

Für genauere Informationen empfiehlt es sich, in den Kursprogrammen nachzusehen bzw. direkt bei den Organisationen anzufragen.